Auszeit bei der Arche Herzensbrücke – ein Elternbericht

Die Arche Herzensbrücke ist ein gemeinnütziger Verein, der Familien mit schwer erkrankten Kindern ein Stück Normalität schenkt. In einem familiär geführten Hotel in Seefeld in Tirol kann die komplette Familie ein paar Tage zur Ruhe kommen. Während des gesamten Aufenthaltes wird die gesamte Familie professionell betreut und es gibt abwechslungsreiche Angebote und Aktivitäten. Das Team besteht aus Profis in den Bereichen Pflege, Therapie, Pädagogik, Beratung, Begleitung und Ehrenamt.

Was ist für einen Aufenthalt zu tun?

Kontaktaufnahme per mail an Herzensbrücken – mail-Adresse ist auf der Homepage zu finden: www.herzensbruecken.at).

Dann erfolgt mit der fachlichen Koordination ein längeres Telefongespräch bezüglich Erkrankung und Behinderung des Kindes, welche Vorstellungen man hat und es wird die Vorgehensweise bis es zu einem Aufenthalt kommt genau erklärt. Der Aufenthalt ist immer für eine Woche, mit Sonntag beginnend, immer in den Schulferien und 4 Familien gemeinsam. In unserem Fall hatte ich die erste Kontaktaufnahme ein Jahr vor unserem Aufenthalt, die Festlegung der Woche war dann ein halbes Jahr vorher. Für den Aufenthalt ist ein Selbstbehalt zu bezahlen, der vom Familieneinkommen abhängig ist. Es mussten noch einige Formalitäten geklärt werden, wie z. Bsp. genaue Anamnese von Annalena, Medikamente, was im Notfall zu tun ist, Essen und was im Aufenthalt benötigt wird. Erinnerte mich an die Reha…. Ja und dann für jedes einzelne Familienmitglied welches Angebot nützen möchte, damit die Einteilung schon vorab erfolgen kann bzw. die Therapeuten auch vor Ort sind. Nichts ist ein Muss. Einige Aktivitäten sind auch als Familienausflüge geplant.

Ich gebe euch jetzt mal einen Einblick in unseren Wochenplan, den wir gleich zu Beginn unseres Aufenthaltes im Zuge eines längeren Kennenlerngespräches erhalten haben. 

Sonntag nachmittags kamen wir in Seefeld an und hatten überhaupt keine Vorstellung, was uns erwartete. Kaum aus dem Auto ausgestiegen, hatten uns einige aus dem Team, (alle mit einem blauen T-Shirt) bereits erblickt und sofort sehr herzlich begrüßt. Dann wurde unser gesamtes Gepäck auf das Zimmer (mit Pflegebett!) gebracht, wir bekamen eine Führung, hatten das Gespräch und lernten auch die anderen Familien kennen.

Montags bekamen wir als Eltern eine Massage und die Kinder hatten alle einzeln Maltherapie. Wir hatten immer genug Zeit fürs Essen und wenn es gewünscht wird, wird auch Annalena die Mahlzeit neben uns am Tisch von einer Betreuungsperson gegeben. Annalena hatte immer eine eigene Betreuung den ganzen Tag für sich alleine, die Geschwisterkinder zusammen je nach Bedarf. Die Kinder waren als Freizeitaktivität mit den Betreuern in der Geisterklamm. Auch hier wird einfach bei den Kindern nachgefragt, was sie machen möchten und dann wird das spontan umgesetzt. Somit hatten wir außer unseren Massagen den Tag zur freien Verfügung. Einfach kurz Bescheid geben, wo wir waren und wann wir zirka wieder kommen würden. 

Dienstags haben wir vormittags mit der gesamten Familie eine Arche gebastelt. Dies machte total Spaß, da wir zu Hause alle gemeinsam so gut wie gar nicht dazukommen. Dies machen alle Familien, die das erste Mal da sind. Die Arche verbleibt im Hotel und wird nur 1x gemacht. Anschließend hatten die Kinder Freizeit und wir Kristallklangschalen-Therapie. Am Nachmittag stand Töpfern mit den Kindern am Programm, was neben der Kristallschalentherapie mein persönliches Highlight war. Dazwischen Gespräche mit den anderen Familien, den Betreuern, spazieren gehen oder sich einfach mal nur im Garten sonnen. Wandergebiete sind rundherum, ebenso ideal zum Radfahren oder wie Michael es gemacht hat, nur zum Laufen.

Mittwochs war vormittags Kinesiologie bei uns und die Jungs hatten Spaß mit dem Therapiehund im Garten. Für den Nachmittag bekamen wir Freikarten für das Olympiabad. Das kann die ganze Familie machen oder es wird auch Annalena in dieser Zeit im Hotel betreut. Eine Familie machte anstatt baden zu gehen im Freibad einen Ausflug zum schönen nahegelegenen See. Man kann wiederum auch gar nichts machen und die Kinder werden betreut und man selbst genießt die Auszeit.

Donnerstags stand nach dem Frühstück ein Familienausflug ins Karwendelgebirge statt. Alle Familien und Betreuer waren dabei und es war wunderschön. Wir picknickten an der Isar, hatten Spaß, gute Gespräche und machten zwischendurch ohne Annalena einen Ausflug zum Wasserfall, derweilen sie Spaß mit Musik und Essen und ihren Betreuerinnen hatte. Wieder im Hotel angekommen, etwas entspannt und dann stand eine Kutschenfahrt für alle Familien durch Seefeld am Programm.

Freitags hatte Annalena vormittags Spaß mit dem Therapiehund Meadow, die Jungs beim Volleyballspielen und wir Freizeit. Im Garten gibt es ein Trampolin, sowie die Möglichkeit zum Federballspielen, Bocciaspielen, Riesenmikado uvm…. Bei Schlechtwetter gibt es einen gut ausgestatteten Spieleraum. Nachmittags stand ein Familienausflug mit den Lamas am Programm.  Nach einem Spaziergang mit den Lamas machten wir bei einem Spielplatz Rast und bekamen leckere Kekse und Saft. Die Kinder hatten mit der Betreuung eine Gaudi und bauten auch noch eine Hütte. Wir picknickten umringt von den Lamas und Annalena hatte sehr viel Spaß.

Samstags hatten die Jungs vormittags einzeln Klangschalentherapie und mittags bis abends durften wir ohne Annalena eine Auszeit im Quellenhof machen. Annalena bekam mittags zu Essen, hatte Spaß mit den anderen Kindern und bekam dann noch ihre Klangschalentherapie. Wir genossen den Wellnessaufenthalt und ich bekam noch eine Massage. Abends fand der Abschlussabend bzw. Party mit Pizza, Muffins, Rückblick der Woche und Weihe der Arche statt. Wir feierten noch bis spät abends,…

Sonntags war unsere Woche wieder vorbei. Wir frühstückten noch alle gemütlich, hatten unser Abschlussgespräch und bekamen auch noch einen USB-Stick mit den Fotos der Woche sowie auch noch das Maskottchen der Arche Herzensbrücke, den ARCHIE mit nach Hause. Schweren Herzens fuhren wir nach Hause, waren aber wiederum so vollgepackt mit neuen Eindrücken, neuer Kraft, so viel herzlichen Menschen, guten Gesprächen, neuen Kontakten, vielen Tipps. 

Wir wurden mit Herzlichkeit empfangen und die Woche war so voller Liebe, Geborgenheit, Lachen uvm. Das Essen war sehr lecker und kocht die Chefin des Hauses selbst. Wir werden das auf jeden Fall, wenn die Möglichkeit besteht, nochmals wiederholen.

Credo der Arche Herzensbrücke:

So viel Normalität wie möglichund so viel Besonderheiten wie nötig.

Wilma Schnöll mit Annalena

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