ÖRSG:Österreichische Rett-Syndrom Gesellschaft


Diagnose und Kriterien



Erste Diagnose des Rett Syndroms


Im Jahre 1965 entdeckte der Wiener Kinderarzt Professor Dr. Andreas Rett das heute nach ihm benannte "Rett Syndrom". Im Wartesaal seiner Klinik saßen zwei Mütter mit ihren Mädchen auf der Schoß. Durch Zufall ließen sie gleichzeitig die Hände ihrer Töchter los und beide begannen mit den heute hinlänglich bekannten Handstereotypien oder auch "washing movements" genannten Bewegungen der Hände.


Diese typischen Bewegungen der Hände gelten heute weltweit als Basis für die klassische Diagnosestellung.


Im Laufe der Jahre kamen eine Reihe weiterer diagnostischer Hilfskriterien hinzu. Die folgenden Liste enthält die wichtigsten Merkmale die zur Bestimmung des Rett Syndroms herangezogen werden. Außerdem liefert sie eine grobe Beschreibung der Fähigkeiten einer Rett-Patientin.


Neben der klinischen Diagnose bildet der Gentest einen wichtigen Bestandteil bei der Identifizierung der Krankheit.

Hauptkriterien:


   •  Auf eine anfänglich normale Entwicklung des Kindes folgt zwischen dem 6. und dem 18. Monat zuerst ein Stillstand und dann eine deutliche Regression. Erworbene Fähigkeiten werden wieder verlernt, der normale Gebrauch der Hände geht verloren.

   •  Normaler Kopfumfang bei der Geburt. Verlangsamung des Schädelwachstums zwischen dem 5. Monat und dem 4. Lebensjahr.

   •  Die sprachliche Entwicklung tritt verzögert auf und bleibt in einem frühen Stadium stecken. Oft fehlt die Sprache zur Gänze.

   •  Stereotypien der Hände: waschende Bewegungen in Brusthöhe oder im Niveau des Mundes. Rhythmische Bewegungen des Oberkörpers.

   •  Hochgradige geistige Retardierung, die tatsächliche Intelligenz ist nur schwer zu erfassen.

   •  Unsicherer, breitbeiniger Gang. Oft entwickelt sich die Fähigkeit ohne Hilfe zu gehen überhaupt nicht.

   •  Verdachtsdiagnose bis zu einem Alter von 2 - 5 Jahren.

Zusätzlich gibt es eine Reihe von Hilfskriterien für das Rett Syndrom, die manchmal auftreten, zur Diagnose aber nicht unbedingt notwendig sind.

Hilfskriterien:


   •  Unregelmäßigkeiten bei der Atmung

   •  EEG - Auffälligkeiten mit Verlangsamung der Hintergrundaktivität, epileptiformen Mustern und Reduktion des REM-Schlafes (der Traumphase)

   •  Epileptische Anfälle (bei etwa 80% der Patienten)

   •  Schlechte Durchblutung der Extremitäten

   •  Zähneknirschen

   •  Skoliose

   •  Verzögertes Wachstum

   •  Erhöhter Muskeltonus vor allem bei älteren Patientinnen

   •  Schlafstörungen